Viele Menschen ärgern sich täglich darüber, Umwelt und Natur leiden darunter und die dadurch in Vorarlberg verursachten Kosten liegen bei mehreren Millionen Euro jährlich: Die Rede ist von achtlos weggeworfenen Abfällen, dem so genannten „Littering“. Immer mehr Gemeinden ergänzen jetzt Bewusstseinsbildung und die umfassende Abfallsammel-Infrastruktur um eine Strafmöglichkeit. Auch in Vorarlberg drohen Abfallsündern jetzt Strafen bis 60 Euro oder Verwaltungsstrafverfahren wie in vielen anderen Ländern und Städten.

An sich würde man meinen, es sei klar und selbstverständlich: Abfälle gehören an den richtigen Platz und nicht einfach weggeworfen. Dem stehen allerdings die vielen Verpackungen, Zigarettenstummel und anderen Abfälle entgegen, die sich täglich auf Straßen, Plätzen, Liegeflächen, Sitzgelegenheiten und anderswo finden. „Viele Menschen achten sehr auf ihre Umwelt“, stellt Umweltverbands-Obmann Bgm. Rainer Siegele fest. „Ein gesundes Selbstverständnis und die verschiedensten Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung zeigen Wirkung.“ Ein schönes Zeichen dafür: Bei der heurigen Flurreinigung „Saubere Umwelt braucht dich!“ waren so viele TeilnehmerInnen und Gemeinden wie noch nie dabei.

Foto: Bgm. Rainer Siegele (Mäder, Obmann Umweltverband), Bgm. Markus Linhart (Bregenz), Bgm. Harald Köhlmeier (Hard, Präsident Vorarlberger Gemeindeverband), Vize-Bgm. Wolfgang Matt (Feldkirch), Bgm. Dieter Egger (Hohenems), Bgm. Mandy Katzenmayer (Bludenz) Quelle: Umweltverband

Hochrechnung: 80 Personen in Vorarlbergs Gemeinden nur mit Aufräumen beschäftigt

Trotzdem müssen Vorarlbergs Gemeinden, das Land und viele andere jährlich Ressourcen und Mittel in Millionenhöhe aufwenden, um Littering-Folgen an Straßen, Wegen und anderen Stellen zu beseitigen. Laut einer Hochrechnung des Umweltverbandes waren 2016 auf Gemeindeebene 80 Vollzeit-MitarbeiterInnen ganzjährig damit beschäftigt, achtlos weggeworfenen Abfall wegzuräumen, Kaugummis zu entfernen oder Scherben einzusammeln. Der Kostenaufwand für die Gemeinden: 3,6 Mio. Euro pro Jahr. Zusätzliche Aufwände entstehen bei den Straßen-erhaltern oder bei den ÖBB: Allein 100 Tonnen Abfälle müssen jährlich entlang von Landesstraßen mühsam zusammengesammelt und auf Kosten der Allgemeinheit entsorgt werden.

Quelle: Umweltverband

Neue Littering-Verordnung ermöglicht mehr Kontrolle und Strafen für AbfallsünderInnen

Vor allem gegen jene Menschen, die das Wegwerfen von Abfällen als Kavaliersdelikt sehen, richten sich die neuen „Littering-Verordnungen“ der Gemeinden. In diesen Verordnungen werden konkret schützenswerte öffentlich zugängliche Bereiche – z.B. Straßen, Plätze, Freizeiteinrichtungen – und auch Kontrollorgane definiert. Werden AbfallsünderInnen dann beim Wegwerfen von Abfällen auf frischer Tat ertappt, können sie von den zuständigen Organen angehalten werden. Nehmen sie ihren Abfall wieder auf und entsorgen ihn richtig, bleibt es bei einer Ermahnung. Ansonsten wird eine Organstrafe von 60 Euro zum sofortigen Bezahlen verhängt. Bei schwerwiegenden Verstößen beträgt der Strafrahmen bis zu 7.000 Euro. Littering-Verordnungen haben bislang u.a. die Gemeinden Alberschwende, Bludenz, Feldkirch, Hohenems, Lech, Lingenau, Lauterach, Mäder, Röthis, Schoppernau, Weiler und Zwischenwasser beschlossen.

Infrastruktur, Bewusstseinsbildung und Ansatz an der Quelle mit „Pfandresolution“

Parallel dazu setzen Gemeinden, Land und Umweltverband mit ihren PartnerInnen weiterhin auf eine attraktive Sammelinfrastruktur mit landesweit einheitlichem Leitsystem und auf verschiedene Wege der Bewusstseinsbildung. Flurreinigungen, „Gelbe Pfeile“ als Hinweis auf herumliegende Abfälle, das Angebot „ghörig feschta“ oder die allgemeinen Abfallinformationen tragen dazu bei. Auch an der Quelle der negativen Spitzenreiter bei weggeworfenen Abfällen wird angesetzt: Die Verbandsversammlung hat am 15. November 2017 eine Pfandresolution beschlossen und an die zuständigen Bundesstellen übermittelt: Einweggetränkeverpackungen sollen aus Umweltgründen mit einem Pfand versehen werden, damit steigen auch die Chancen für Mehrweggebinde. Auch die EU denkt in ähnliche Richtung der Vermeidung: In Konsequenz haben verschiedene große Handelskonzerne angekündigt, Einwegprodukte wie z.B. Trinkhalme aus Kunststoff aus dem Sortiment zu nehmen.

Weitere Informationen

Kerstin Formanek, Umweltverband
05572 55450-1017, k.formanek@gemeindehaus.at

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